Das REBELL-Konzept – Ein Beratungsansatz zur Selbstermächtigung

In den letzten Jahren beobachten wir in unserer Beratungspraxis eine Häufung von Anliegen, bei denen prinzipielle Unzufriedenheit mit dem status quo im Vordergrund steht. Es kommen Menschen, die diese Unzufriedenheit nicht mit „Mehr vom Selben“ lösen wollen, etwa mit mehr Geld oder mehr Anerkennung, sondern die grundsätzlich an den Zuständen und Umständen ihres Lebens etwas ändern, anderen Werten Priorität geben wollen. Diejenigen, die meinen keine Alternativen zu haben und auf Aushalten, Durchhalten und „Es wird schon wieder“ setzen, sind dabei akut burnout- und depressionsgefährdet.

Wir setzen dieser – niemals realen sondern behaupteten oder wahrgenommenen – Alternativlosigkeit die Qualität des „Rebell“ entgegen.

Wo also ist der Rebell, der uns – jeden einzelnen von uns – aus der Alternativlosigkeitsfalle (ALF) herausführt? Der die Visionen in uns weckt, den ethischen Maßstab schärft und die notwendige Energie aufbringt, sich von der Masse zu lösen?

Tatsächlich steckt – so unsere Hypothese – in jedem von uns ein Rebell.

Nimmt man ein plurales Persönlichkeitsmodell an, so besteht unsere Persönlichkeit aus einer Anzahl von Teilpersönlichkeiten, die in ihrer Interaktion und Wechselwirkung die Gesamtpersönlichkeit ergeben. Neben dem Rebell sind in diesem „Inneren Team“ auch seine potenziellen Gegner, Verbündeten und zahlreiche weitere Typen angelegt.

Dominieren in einer Persönlichkeit zB. die angepassten, risikoscheuen Anteile, wird die Rebell-Qualität unterdrückt und kann wenig oder gar nicht zur Geltung kommen. In einem qualifizierten Counseling-Prozess kann daran gearbeitet werden, das Verhältnis dieser Anteile zueinander zu ändern. Veränderungen der inneren Gruppendynamik wirken auf die Wirklichkeitskonstruktionen und Lösungsansätze, daraus resultiert eine veränderte Interaktion mit der Umwelt.

Für diese Arbeit haben wir das Rebell-Konzept entwickelt, das auf bestimmten Hypothesen, Modellen und Definitionen aufbaut.

Der Rebell ist nicht eine Person, sondern eine Qualität. Diese Qualität kann

  • sich intrapersonal als dominanter, integrierter oder unterdrückter Persönlichkeitsanteil darstellen
  • sich interpersonal als stabile oder situative Verhaltensweise einer Person ausdrücken und damit zu einer Kompetenz werden
  • sich in einer Gruppe, einem Team als emergente Systemeigenschaft zeigen.

In unserem Konzept definieren wir vier Wesenszüge der Rebell-Qualität:

  1. Nonkonformität: bereit, sich von der Herde zu lösen, Herrschaft zu hinterfragen, gegen den Mainstream zu agieren, sich zu exponieren, sich angreifbar zu machen
  2. Gemeinwohlorientierung: das Wohlergehen seiner Gemeinschaft vor Augen, ethisch reflektierend, im Umgang mit anderen achtsam und mit Herzqualität
  3. Zielfokussierung: visionär Ziele setzend, bei gutem Grund sich auch vorgegebenen Zielen widersetzend, konsequent Widerstände und Hindernisse bekämpfend
  4. fordernde Aktivität: bereit, Risiko, Verantwortung und Führung zu übernehmen, gestaltungswillig und leistungsstark, von oben und unten Beiträge zum Erreichen des Ziels einfordernd

Das Fördern der Rebell-Qualität bedarf immer einer Balance zwischen Chance und Risiko.

Wer sich fürchtet, diese Balance nicht zu finden, reagiert oft mit völliger Unterdrückung des Rebell. Damit steht aber auch diese vitale, schöpferische Kraft nicht zur Verfügung. Wird der Rebell andererseits völlig losgelassen, kann er sich selbst eventuell zum Diktator entwickeln, gegen den wiederum eine Rebellion Not täte. Das ist aber möglicherweise ein ganz natürlicher Zyklus.

Im Business Kontext ergeben sich ähnliche, aber auch zusätzliche Fragestellungen. Durch den bewussten Einsatz der Rebell-Qualität in einer Situation, die unbefriedigend aber alternativlos erscheint, kann z.B. eine neue Dynamik in erstarrte Geschäftspraktiken gebracht werden. In manchen Fällen entscheidet sich sogar ein ganzes Team dafür „rebellisch“ zu werden, d.h. die Rebell-Qualität bei einem einzelnen Teammitglied oder auch als Teamqualität zu verorten und durch eine -vom Team-Coach begleitete – Auseinandersetzung mit den Antagonisten des Rebell zu neuen Ergebnissen zu kommen.

Hier entwickeln wir die Rebell-Qualität gezielt und systematisch als neue Wirtschaftskompetenz und bieten methodische Vorgehensweisen um diese Qualität zur Lösungsfindung einzusetzen, wo bisher Alternativlosigkeit vorherrschte.

In unseren Augen ist das ein wichtiger und NOT-wendiger Beratungsansatz in der heutigen Wirtschaft. Einer, der auch als gesellschaftliche Kompetenz den Nerv der Zeit trifft – vor allem dort, wo die ALF droht das jeweilige System in Geiselhaft zu halten.

Folgende Anwendungsgebiete haben wir für das Rebell-Konzept definiert:

  • Individuelle Rebell-Kompetenz
    Eine Person will ihre innere Rebell-Qualität stärken um zu neuen Handlungsmöglichkeiten zu gelangen.
  • Führung von Rebellen
    Eine Führungskraft will in ihrem Team die positive Rebell-Qualität fördern und nützen, oder steht vor der Herausforderung vorhandene Rebellen zu bändigen, ohne sie zu vernichten.
  • Teambuilding, Rebell im Team
    Das Team möchte – unterstützt vom Team-Coach – Rebell-Qualität im gewünschten Ausmaß entwickeln, oder durch die Integration einzelner Rebellen im Team wachsen.
  • Skill Set – Infrastruktur
    Der Kunde – Einzelperson oder Team – eruiert mithilfe der Beraterin bestimmte Skills, die verbessert werden sollen, um die Wirkung der Rebell-Qualität nach außen zu entfalten.
  • Unternehmensphilosophie – rebellisch
    Ein Unternehmen will die Rebell-Qualität z.B. in der Unternehmenskultur, -strategie oder in den Leitwerten verankern.

Das Rebell-Konzept eignet sich für Menschen und Organisationen, die die Chance nutzen und das Risiko eingehen wollen, diese extrem kreative und vitale Energie zu wecken und neue Handlungsdimensionen zu erobern.